Historisches Kleinod. Das einzigartige Zeitzeugnis wurde jetzt der Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Geschenk der Familien Götzelmann/Kilian
Von Ingrid Eirich-Schaab
Das Diorama ist ein historisches Kleinod besonderer Güte. Es handelt sich um eine außergewöhnlich minutiöse und detailgetreue, authentische Darstellung der Erftalgemeinde in der Zeit um 1875.
Hardheim. Die Geschwister Beate Kilian und Harald Götzelmann schenkten vor einigen Jahren der Gemeinde Hardheim zwei Familienerbstücke ganz besonderer Art: Ein impressionistisches Gemälde vom Schloss sowie ein Diorama, einen handgefertigten Schaukasten mit Modellfiguren, Gebäuden und Landschaften von Alt-Hardheim.
Letzterer sollte ihrem Wunsch entsprechend an einem geeigneten Platz der Öffentlichkeit zugänglich gemacht, angemessen präsentiert und damit auch der Nachwelt erhalten werden.
Dies geschah nun auf Initiative von Bürgermeister Stefan Grimm und einiger Vorstandsmitglieder des Museumsvereins Erfatal. „Ich habe noch nie zuvor so etwas gesehen“, begeisterte sich Bürgermeister Grimm. „Ein tolles, einzigartiges Kunstwerk. Und wie filigran es ausgearbeitet ist! Viel zu schade, um in der dunklen Ecke zu verstauben.“
Obendrein sei dieses historische Kleinod nicht nur für eine bestimmte Klientel, sondern für die gesamte Bevölkerung – egal ob Groß oder Klein – äußerst interessant. „Die Gemeinde und ich persönlich sind den Familien Götzelmann und Kilian sehr dankbar für dieses Geschenk“, fügte das Gemeindeoberhaupt hinzu.
Der neue Standort sei sorgfältig ausgewählt worden: Da das Erfatal-Museum aus brandschutztechnischen Gründen derzeit geschlossen ist, kam es als Domizil nicht in Frage. Ein passendes Ambiente bietet das Schloss und dort speziell das Bürgerbüro. Zudem ist dieses die wichtigste Anlaufstelle für die meisten Besucher des Rathauses.
Gleich hinter der heutigen Eingangstüre liegt – linker Hand – der alte Zugang zur Wendeltreppe, durch den man früher ohne Umweg über die Altane trockenen Fußes ins Obergeschoss des Schlosses gelangte.
In dem schön ausgearbeiteten und bemalten Türbogen wurde ein Podest für das Diorama aufgestellt. Eine vom Museumsverein bereitgestellte Glasvitrine schützt das empfindliche, minutiös in Handarbeit gefertigte Kunstobjekt.
„Bisher war das Kleinod noch nie öffentlich zu sehen“, maß Jutta Biller vom Vorstandsteam des Museumsvereins der Aktion große Bedeutung bei: „Man hört immer wieder in Erzählungen, wie es früher einmal in Hardheim war. Hier bekommt man es anschaulich vor Augen geführt.“ Auf den ersten Blick gleiche die Miniatur einem „Foto von damals“, so detailgetreu seien selbst die kleinsten Einzelheiten ausgearbeitet.
Um das Erfatalmuseum im Gedächtnis der Bevölkerung wach zu halten, habe der Vorstand überlegt, einzelne historische Gegenstände im Ort auszustellen. Das Diorama könnte ein guter Start für die Umsetzung dieser Idee sein.
Das außergewöhnliche Zeitzeugnis zeigt die Erftalgemeinde in der Zeit um 1875. Und zwar mit Blick vom Wurmberg und seinen Weinbergen aus. Hardheim war damals noch klein und in sich geschlossen, hatte zusammen mit dem Weiler Rüdental lediglich 2289 Einwohner (1871). Selbst winzige Personen sind am Marktplatz zu erkennen. Daneben die alte Kirche mit dem nach Osten zugewandten Kirchturm. Auch Marstall und Zehntscheune, Schloss und Steinerner Turm heben sich deutlich von der sonstigen Wohnbebauung ab, räumlich exakt hintereinander, also dreidimensional, platziert. Liebevoll sind die Natur und die kleinparzellige Landschaft nachmodelliert. Wald gab es kaum welchen um den Ort herum. Das Alte Rathaus existierte noch nicht.
„Das Diorama stammt aus dem Nachlass des früheren Hardheimer Kaufmanns Franz Alois Barth (1832 bis 1897), unserem Urgroßvater. Ein befreundeter Architekt schenkte es ihm zum Amtsantritt als Bürgermeister von Hardheim im Jahr 1875“, so Harald Götzelmann. Der Namen des Künstlers ist nicht bekannt.