Der gutherzige Mönch

Wenn ihr von Hardheim nach Schweinberg gefahren oder gewandert seid, dann habt ihr sicher schon von weitem hoch oben auf dem Berg die Ruine dieses einst stattlichen Burgfrieds gesehen. Und wenn ihr besonders aufmerksam wart, habt ihr vielleicht auch die Überreste der Burgmauer schon entdeckt. Wenn ihr euch vorstellt, dass der Turm der Burg in der Mitte des Burggelände stand, und wenn ihr euch dann die Entfernung zur Burgmauer anschaut, dann glaubt ihr wohl auch, dass diese Burg von Schweinberg einmal eine große und mächtige Burg gewesen ist. Aber bereits 1168 starb der letzte Edelherr von Schweinberg mit dem Namen Craft von Schweinberg. In der Folgezeit stritten sich immer wieder die Erben um die Burg, bis unter Graf Michael von Dürn die Burg 1437 vom Fürstbischof von Würzburg belagert und nach elf Tagen erstürmt und in Brand gesteckt wurde. Man baute die Burg zwar wieder auf, aber Schweinberg blieb in der Geschichte nur noch ein Nebenschauplatz und die Burg von ihren jeweiligen Besitzern ganz schön vernachlässigt. Nach dem 30-jährigen Krieg war die Burg schließlich so baufällig, dass sie nicht mehr bewohnbar war.

In den Zeiten, als die Burg keinen richtigen Burgherrn mehr hatte, suchten auch immer mal wieder weniger gute Menschen wie Raubritter während ihren Raubzügen dort Unterschlupf. Zu dieser Zeit lebte im Wald zwischen Schweinberg und Pülfringen auch ein Mönch als Einsiedler. Es war für alle eine schwere Zeit, denn die Bauern in der Gegend waren arm und zu allem Überfluss wurde ihnen das Wenige von den Raubrittern und ihren Knechten noch gestohlen. Wenn diese dann nach ihren Raubzügen wieder in ihr sicheres Versteck wollten, führten die Ritter oft das geraubte Getreide, Mehl, Speck und alle erdenklichen Lebensmittel durch den Wald, in dem der Mönch lebte. Die Ritter waren so auf sich und die Beute konzentriert, dass sie gar nichts von der Existenz des zurückgezogen Lebenden mitbekamen. Dieser aber sah das böse Treiben der Ritter mit großem Kummer. Da geschah es dann, dass den Räubern immer an derselbsen Stelle die Räder vom Wagen zu Bruch gingen. Die Ritter schimpften und fluchten dann laut vor sich hin und liefen und ritten zur Burg, um Hilfe zu holen. Dann schlich sich der Mönch im Schutz der Dunkelheit an die vollen Wägen und schleppte alles in seine unbekannte und gut versteckte Hütte und beschenkte in den folgenden Tagen damit wieder die armen Leute. Wie der Einsiedler die Räder zu Bruch gehen ließ, blieb bis heute sein Geheimnis.

Nicht alles an der Geschichte ist so passiert. Könnt ihr erraten, was nicht?

  1. Man weiß nicht, ob sich jemals Raubritter auf der Burg Schweinberg versteckt haben.
  2. Man weiß nicht, ob es den Einsiedler gegeben hat und ob er die armen Leute mit Essen versorgt hat.