Der Sternengreifer

Vor langer Zeit lebte in Hardheim die Familie Hohmann mit ihren zwei Mädchen und einem Jungen. Der Vater Rudolph arbeitete als Arzt im Hardheimer Krankenhaus und später als Hofarzt in Amorbach im Fürstenhaus Leiningen. Wenn er in Hardheim seine Arbeit im Krankenhaus beendet hatte und dann mit seiner Familie zusammen war, hatte er Spaß daran, seinen Kindern die Sterne und die Sternenbilder am Nachthimmel zu erklären. Besonders sein Sohn Walter liebte es, bei sternenklaren Nächten an seinem Fenster in der Wertheimer-Straße in Hardheim zu sitzen und gemeinsam mit seinen Schwestern Sternbilder zu suchen.

Dabei dachte Walter oft darüber nach, wie schön es wäre, wenn er mal einen Stern aus der Nähe sehen könnte. Eines Nachts, es war wieder ein herrlicher Sternenhimmel, der große Wagen war deutlich wie nie zuvor zu sehen und auch der Polarstern funkelte so hell wie nie, stieg er auf den Kirchturm von Sankt Alban. Er nahm Stufe für Stufe, stieg immer höher, die Treppen schienen kein Ende zu nehmen. Er stieg weiter und weiter. In einer großen Wolke konnte er das Ende der Treppe erahnen. Vollkommen außer Atem kletterte er die Stufen durch die Wolke hinauf und stand vor einem großen Tor, dem Eingang zum Himmel. Er hob die Hand und holte aus, um an die schwere Pforte zu klopfen, da hörte er wie eine Stimme rief: „Walter, Walter!“ --- In diesem Moment weckte ihn seine Mutter. Alles war nur ein Traum.

Trotzdem ließ sich Walter nicht entmutigen. Angespornt von seinem Traum fragte er den Pfarrer, ob er auf den hohen Kirchturm von Sankt Alban steigen dürfte. Er hatte sich fest vorgenommen, wenn er bei Gott angekommen sei, würde er auch gleich mal links und rechts nach den Sternen spickeln. Der Pfarrer begleitete Walter gern auf den Kirchturm. Oben angekommen flatterten aber nur ein paar Tauben aufgeregt davon. Die Sterne blieben in weiter Ferne und ein Ort, den Walter gerne einmal besuchen wollte.

rakete

Als Walter dann alt genug war und in die Schule kommen sollte, zog seine Familie nach Südafrika. Erst war er darüber sehr traurig, denn er hatte doch viele Freunde, die er zurücklassen musste. Aber als seine Mutter ihn tröstend in den Arm nahm und ihm erklärte, dass er dort viele neue Freunde kennenlernen und sogar andere Sterne sehen könne, war er ganz gespannt auf Afrika. Und ob du es glaubst oder nicht, als er in Afrika nachts aus dem Fenster sah, war der große Wagen ----- nicht mehr da. Als er aber seinen Vater nach den unbekannten Sternbildern fragte, erklärte er Walter, welche Sterne das Sternenbild „Kreuz des Südens“ bildeten, denn das ist nur auf der Südhalbkugel der Erde zu sehen, und somit nicht in Deutschland.

Mit 11 Jahren kam Walter wieder nach Deutschland zurück, um hier weiter zur Schule zu gehen. Er kannte mittlerweile alle Sternbilder auswendig und konnte sogar ein paar Planeten mit dem bloßen Auge am Nachthimmel erkennen. Dieses Wissen half ihm dann, als er erwachsen geworden war, sehr bei seiner alten Leidenschaft: den Sternen, Planeten – man kann auch sagen: dem Weltraum. Er hatte zwar nach dem Schulabschluss studiert, wie man Häuser baut, aber er hatte sich auch immer wieder Gedanken gemacht, wie eine Rakete und ein Raumschiff sein mussten und wie man so einfach wie möglich zu anderen Planeten gelangen konnte und natürlich auch wieder zurück zur Erde. Dazu hat er mit Hilfe eines Fernrohres die Planeten und Sterne ganz genau beobachtet, dann sehr viele Berechnungen angestellt und schließlich die Lösung gefunden: nämlich mit Hilfe der Umlaufbahnen um die Planeten. Alles was er herausfand, schrieb er schließlich in einem Buch auf.

Viele Menschen, die zu Walters Zeit lebten, konnten nicht glauben, was Walter herausgefunden hatten, manche machten sich sogar lustig über ihn, weil sie es sich nicht vorstellen konnten, dass Menschen jemals zu den Sternen oder zu den Planeten fliegen könnten, obwohl es schon Raketen gab. Aber die waren noch nicht stark genug, um durch den Himmel ins Weltall zu fliegen. Und trotzdem gab es Leute, sogar im Ausland, die so fasziniert von Walters Ideen waren, dass sie sein Buch lesen wollten.

Im Lauf der nächsten Jahre wuchs das Interesse der Menschen am Weltraum, also daran, wie es über dem Himmel aussieht. So bauten sie immer stärkere Raketen und bessere Raumschiffe. Auch lasen sie ganz viele Bücher, um herauszufinden, wie sie am besten in den Weltraum und auch wieder zurückkamen. Unter diesen Büchern, war auch das, das Walter Hohmann geschrieben hatte. Als es endlich soweit war, dass man sich traute, Menschen in einer Rakete in den Weltraum, genauer zum Mond zu schicken, erlebte das Walter Hohmann leider nicht mehr.

Nun brauchte man nur noch mutige und clevere Leute, also Astronauten, die eine Rakete lenken konnten und sich trauten an den Wolken vorbei durch den Himmel in den Weltraum zu fliegen. Neal Armstrong, Edwin Aldrin und Michael Collins waren solche Astronauten und die trauten sich diese Reise zu. Die Reise bekam sogar einen Namen: (Mission) Apollo 11. Wie ihr euch vorstellen könnt, war das keine einfache Sache! Doch am 16. Juli 1969 startete die Rakete in den USA. Und der Weg zum Mond war so weit, dass sie erst 5 Tage später ankamen. Neal Armstrong war dabei der erste Mensch, der den Mond betreten hat und er hat gesagt: „Dies ist ein kleiner Schritt für einen Menschen, aber ein riesiger Sprung für die Menschheit.“ Er sagte das, weil es für ihn nur ein kleiner, normaler Schritt war, den Mond zu betreten – auch wenn er einen riesigen Raumanzug anhatte. Aber für uns Menschen war es das erste Mal, dass einer von uns den Mond betreten hat.

Wirklich toll und etwas Besonderes für uns in Hardheim ist aber auch noch, dass Walter Hohmanns Ideen ihren Teil zu dieser Mondlandung beigetragen haben. Auch wenn manche zuerst an ihm gezweifelt haben, ER hat sich nicht beirren lassen. Sein Traum, den Sternen näher zu kommen, ist also doch noch irgendwie wahr geworden. Und weil Walters Buch so bedeutsam war und ist, wurde sogar ein kleiner Planetoid, also ein Kleinplanet mit wenigen Kilometern Durchmesser, und ein kleines Stück auf dem Mond, ein Krater, nach ihm benannt. Damit ist zumindest sein Name ganz nahe bei den Sternen.

Und diese Rakete hier? Die ist Walter Hohmann zu Ehren hier aufgestellt worden und wenn ihr wie Walter die Sterne über Hardheim näher und größer sehen wollt, könnt ihr oben auf dem Scherenberg die Walter-Hohmann Sternwarte besuchen. Wenn ihr aber den Walter-Hohmann-Mondkrater sucht, reicht es leider nicht, dass ihr wie Walter einfach in der Nacht an den Himmel schaut, denn der Krater liegt auf der erdabgewandten Seite. Ihr müsst also entweder zum Mond fliegen oder aber ihr kommt in unser Erfatal-Museum, dort hängt ein Foto von der Mondseite, auf der man den Krater sehen kann. Und den Planetoiden --- den hat auf der Sternwarte in Hardheim noch niemand gesehen. Aber vielleicht bist du ja der erste?! Probier‘ es doch einfach mal aus! Die Öffnungszeiten der Walter-Hohmann-Sternwarte findest du hier.

Nicht alles an der Geschichte ist so passiert. Könnt ihr erraten, was nicht?

Walter Hohmann wurde 1880 in Hardheim geboren. Noch im gleichen Jahr, also als Baby, zog er mit seine Eltern nach Amorbach, wo sein Vater als Hofarzt im Fürstenhaus Leiningen tätig war. Somit konnte Walter leider nicht auf den Kirchturm von Sankt Alban in Hardheim klettern.