Die Kappel und der Einsiedler
Wenn du und deine Begleiter von Hardheim bis zur Kappel gelaufen seid, dann habt ihr ein ganz schönes Stück Wanderung hinter euch gebracht. Vielleicht habt ihr mehr erwartet als nur diese Ruine, aber die Stimmung ist hier doch wirklich eine ganz besondere. Sicher habt ihr erkannt, was die Ruine einmal war, oder?! Genau, das war mal eine Kapelle oder wie sie im Volksmund genannt wird, die Kappel. Setzt euch doch mal in die Kappel und schaut nach oben! Mal ehrlich, wie oft wart ihr schon in einer Kapelle gesessen und habt oben herausschauen können und Bäume darum herumstehen sehen?
Als die Kappel noch ihr Dach hatte, das war ungefähr ab dem Jahr 1419 für immerhin etwa 300 Jahre, gab es in der Kapelle auch eine Kanzel, quasi ein kleiner Balkon, von dem der Pfarrer predigte. Und auf dem Dach stand ein kleines Türmchen, in dem 2 Glocken geläutet werden konnten.
Es hat hier auch jemand gewohnt, und zwar ganz alleine. Solche Personen nennt man Einsiedler oder Eremit. Er hatte ein kleines Häuschen, das an der Kappel angelehnt war, ein Nebengebäude, einen Brunnen und sogar einen eigenen Garten. Den Brunnen vor der Kappel habt ihr sicher schon entdeckt.
Wenn ihr euch fragt, warum er hier so ganz allein war und was er den ganzen Tag gemacht hat, dann lasst euch sagen, dass es sogar heute noch Menschen überall auf der Welt gibt, die lieber in der Stille leben, weit weg von Terminen, vielen Menschen und Lärm und Trubel. Sie leben ganz einfach, ohne Fernsehen, ohne Handys oder fließend Wasser. Sie wollen für Gott da sein und gut hinhören, wenn jemand kommt und einen Rat braucht. So war es sicher auch mit den Einsiedlern, die hier gelebt haben. Ihre Aufgabe war es außerdem die Kappel, den Garten und das kleine Häuschen in Ordnung zu halten, die Kirche morgens auf- und abends zuzuschließen. Dafür wurden sie von den Rittern von Hardheim bezahlt. Der Einsiedler musste Blumen im Garten pflegen, um die Kappel damit zu schmücken, denn jeden Samstag musste die Kappel schick sein, wenn der Pfarrer von Hardheim herkam, der hier Gottesdienst hielt.
Als die Kappel im Jahr 1419 errichtet wurde, gab es in Hardheim nur katholische Christen. Aber zu Zeiten Ritter Wolfs von Hardheim gab es vieles, was der Papst und die Bischöfe „falsch machten“. Martin Luther hatte Ideen, wie man die Kirche verändern könnte. Aber sie hörten einander nicht gut zu. Es kam zum Streit und deshalb spaltete sich die Kirche und es entstanden die katholischen und evangelischen Christen, die ganz so leben wollten, wie es in der Bibel und den Evangelien steht. Das gefiel auch unserem Ritter Wolf in Hardheim. Da aber die Pfarrkirchen in Hardheim und Dornberg nicht ihm gehörten, konnten sich die evangelischen Christen dort nicht treffen. Doch die Kappel gehörte den Herren von Hardheim. Hier durfte also Ritter Wolf bestimmen. Und so entschied er, dass der evangelische Pfarrer von Höpfingen, Johann Weinlein, von nun an in der Kappel Gottesdienst feierte.
Als der Einsiedler davon hörte, war das eine große Überraschung für ihn. Immerhin war die Kappel die erste Hardheimer Kirche, in der ein evangelischer Gottesdienst gefeiert wurde. Und er war für diese Kirche zuständig und musste sie für die evangelische Messe vorbereiten. Aber wie? Es gab ja noch kein Telefon, um einfach mal anzurufen… und die wenigen Leute, die ab und an vorbeikamen, hatten auch nicht richtig Ahnung davon.
Hättet ihr unserem Einsiedler helfen können? Kennt ihr vielleicht ein paar Unterschiede zwischen der evangelischen und katholischen Messe?
Folgende Unterschiede gibt es z.B.
| zwischen dem katholischen | und dem evangelischen Gottesdienst |
|---|---|
| Weihwasser am Eingang, das an die Taufe erinnern soll | kein Weihwasser am Eingang |
| nur Männer können Pfarrer werden | es gibt Pfarrer oder Pfarrerin |
| Gewand des Pfarrers während des Gottesdienstes ist je nach Fest in einer anderen Farbe | trägt eine schwarze Robe mit Bäffchen |
| es wird aus der Bibel gelesen und fast immer Eucharistie gefeiert und die Kommunion ausgeteilt | es wird aus der Bibel vorgelesen und dazu gepredigt. Ab und zu gibt es die Feier des Abendmahls. Dann dürfen alle von Brot und Wein nehmen |
| Ministranten | keine Ministranten |
| Weihrauch und Blumenschmuck | kein Weihrauch und nur selten Blumenschmuck |
Nachdem die Ritter von Hardheim 1607 ausstarben, ging der Besitz und somit auch die Kappel an Würzburg. Der Bischof wies schließlich an, dass seit dem Jahre 1608, also nach 51 Jahren, die Kappel wieder für katholische Gottesdienste genutzt werden sollte.
Aber warum wurde die Kappel dann zur Ruine?
Der Verfall der Kappel begann 1780 mit dem durch den Pfarrer von Hardheim angeordneten Wegzug des letzten Eremiten, weil sich die Jugendlichen sonntags lieber zum Zeitvertreib als zum Beten beim Eremiten aufhielten. 1791 erlaubte dann der Bischof von Würzburg die Kappel zu demolieren (zerstören) und so wurden z.B. Ziegel und Gebälk nach Höpfingen versteigert und das Mauerwerk zum Abbruch freigegeben.
Der Kappelmörder
Wenn du und deine Begleiter von Hardheim bis zur Kappel gelaufen seid, dann habt ihr ein ganz schönes Stück Wanderung hinter euch gebracht. Vielleicht habt ihr mehr erwartet als nur diese Ruine, aber die Stimmung ist hier doch wirklich eine ganz besondere. Sicher habt ihr erkannt, was die Ruine einmal war, oder?! Genau, das war mal eine Kapelle oder wie sie im Volksmund genannt wird, die Kappel. Setzt euch doch mal in die Kappel und schaut nach oben! Mal ehrlich, wie oft wart ihr schon in einer Kapelle gesessen und habt oben herausschauen können und Bäume darum herumstehen sehen?
Als die Kappel noch ihr Dach hatte, das war ungefähr ab dem Jahr 1419 für immerhin etwa 300 Jahre, gab es in der Kapelle tatsächlich drei Altäre und auf dem Dach stand ein kleines Türmchen, in dem 2 Glocken geläutet werden konnten.
Es hat hier auch jemand gewohnt, und zwar ganz allein. Solche Personen nennt man Einsiedler oder Eremit. Sie wollen in der Einsamkeit, weit weg von der Hektik, dem Lärm und den Menschen leben, um sich ganz auf Gott auszurichten. Sie wollen in Armut und Bescheidenheit über das Böse in der Welt nachdenken, für die schlimmen Taten, die passieren, an Stelle anderer vor Gott einen Ausgleich leisten und dafür beten, dass sich die Menschen nicht mehr so gemein gegenüber anderen verhalten.
Auch die Eremiten hier an der Kappel lebten und arbeiteten für Gott. Sie hatten ein kleines Häuschen, das an der Kappel angelehnt war, ein Nebengebäude, einen Brunnen und sogar einen eigenen Garten. Den Brunnen vor der Kappel habt ihr sicher schon entdeckt. Ihre Aufgabe war es, die Kappel, den Garten und das kleine Häuschen in Ordnung zu halten, die Kirche morgens auf- und abends zuzuschließen. Dafür wurden wie von den Rittern von Hardheim bezahlt. Der Einsiedler musste die Blumen im Garten pflegen, um die Kappel damit zu schmücken, denn jeden Samstag kam Pfarrer von Hardheim, um hier Gottesdienst zu halten.
Hier im dunklen Wald, könnt ihr euch sicher vorstellen, dass auch mancher Räuber sich versteckte… oder aber, wie man sich erzählte, auch ein Räuber sich als Eremit ausgab. Zwar war er nie aufgefallen, denn er hatte stets seine Aufgaben erfüllt und sich fromm verhalten, wenn jemand bei ihm vorbeikam, doch eines Tages erwischte das Büch-Annele aus Rütschdorf den Mann bei einer grausamen Tat…
Am Abend zuvor war der Eremit von der Kappel nach Rütschdorf gekommen. „Lieber Bauer“, sprach er freundlich den Vater von Annele an, „ich komme wieder einmal, um mir ein bisschen Milch abzuholen.“ „Sehr gerne, guter Eremit“, antwortete der Bauer. „Wie immer ein Milchkännchen?“ „Das wäre schön“, erwiderte der Eremit, „allerdings… ich kann… ich kann Ihnen heute… nicht alles bezahlen“, druckste er herum. „Ich musste Kerzen für die Kapelle kaufen und die Hoheit hat mir meine Auslagen noch nicht zurückbezahlt.“ „Das ist doch kein Problem, mein Lieber!“, beruhigte ihn der Bauer. „Wissen Sie was, beten Sie einfach für mich und meine Familie, um Gesundheit und immer genug zu essen. Das ist mindestens genauso viel wert, wie der volle Geldbetrag für die Milch.“ „Sie sind ein guter Herr“, entgegnete der Eremit, „ich werde für Sie, Ihre Frau und Ihre Kinder beten. --- Und natürlich besonders für dich, liebes Annele“, rief er der Tochter des Bauern zu, als er sie erblickte. „Schauen Sie mal“, freute sich das Mädchen und stürmte auf den Mönch zu, „schauen Sie, was ich gesammelt habe, lauter Walderdbeeren. Daraus macht uns Mama einen leckeren Kuchen.“ „Das ist fein“, freute sich der Einsiedler, „dann spring schnell zu deiner Mutter und bring ihr die Beeren. Ich mache mich wieder auf den Heimweg.“ Und so spazierte er Richtung Wald davon.
Am nächsten Tag früh morgens sprang Annele in der Küche herum. „Mutti, Mutti, hast du nicht bald den Kuchen für den lieben Eremiten eingepackt? Ich will ihn doch so gern damit überraschen.“ „Jetzt sei doch nicht so ungeduldig, du kleiner Wirbelwind“, mahnte die Mutter zu Geduld, „der brave Mönch freut sich auch noch ein paar Minuten später über deinen Besuch! Hier hast du den Korb mit dem Kuchen. Aber nicht so herumschleudern, sonst fällt der Kuchen auseinander!“, schärfte die Mutter dem Kind ein und schon sprang Annele davon.
Bereits von weitem rief sie zur Kappel in den Wald hinein: „Herr Eremit, ich bin’s Annele. Ich habe eine Überraschung für Sie. Hallo, Herr Eremit! Wo sind Sie? Haaalloooo!“ Doch nichts und niemand bewegte sich. Vorsichtig ging das Mädchen an die Kapellentüre, aber diese war verschlossen, nicht jedoch die Türe zum Eremiten-Häuschen. Vorsichtig ging sie hinein, obwohl niemand da war. „Na gut“, dachte sich Annele, „dann ist er wohl ausgegangen. Vielleicht ist er nach Hardheim oder Dornberg, um sich Brot oder ein Stück Schinken zu kaufen. Ich werde mich verstecken und ihn dann überraschen, wenn er zurückkommt.“ Sie suchte sich eine schöne große Truhe aus, in der sie sich versteckte. Es dauerte nicht lange, da hörte sie Schritte über den Boden schlurfen, wie wenn jemand eine mächtige Last tragen würde. „Mein Gott, bist du schwer, du könntest dich ruhig leichter machen. Hoffentlich lohnt sich die Schlepperei für mich“, hörte sie eine Stimme brummen. Vorsichtig schielte sie aus ihrem Versteck hervor und sie erkannte den Eremiten, der zur Türe hereinkam und einen Menschen über der Schulter trug. Diesen ließ er auf den Tisch fallen und fing sofort an, die Taschen zu durchsuchen. „Aha, ein Taschentuch, rot kariert, wie schick!... Und hier ein paar Nägel. Wozu in aller Welt braucht man Nägel in der Jackentasche? Naja, gut. Und hier?... ah, dein Beutelchen fürs Geld, mal sehen… sechs Groschen… mehr nicht?... Das ist ja ärgerlich… Wenn ich gewusst hätte, dass du nicht mehr bei dir hast, hätte ich dich laufen lassen!“ Und er warf sich den Mann wieder über die Schulter und verließ das Häuschen. Annele aber, die die ganze Begebenheit unbemerkt in ihrem Versteck beobachtet hatte, kletterte rasch aus der Truhe und rannte, so schnell sie nur konnte, heim zu ihren Eltern. Dort erzählte sie noch vollkommen erschrocken von ihrem Erlebnis. Die Eltern alarmierten sofort die anderen Bürger von Rütschdorf und diese nahmen den Eremiten fest und brachten ihn nach Walldürn ins Gefängnis. Dort gestand er, dass er den Mann überfallen und getötet hatte, und er wurde seiner Tat angemessen bestraft.