Im Dienst ermordet – der Krimi um den Hardheimer Kaplan Franz Burkard
Wir schreiben das Jahr 1712. Ein junger Mann in schwarzer Sutane (so nennt man das bodenlange schwarze Gewand, das Priester außerhalb der Kirche trugen) läuft mit festem Schritt zielsicher von Dornberg Richtung Hardheim durch den Wald. Er kommt von der Frühmesse in der Dornberger Kirche und trägt, wie es zur damaligen Zeit üblich war, seinen goldenen Kelch bei sich und versteckt am Gürtel ein kleines Geldsäckchen, in dem er die Spenden der Dornberger Gläubigen gut verwahrt hat.
Er ist schon ein gutes Stück durch den Wald gelaufen, kann schon die Ebene der Erfa erblicken, als er plötzlich ein Rascheln und Knacken hört. Unsicher bleibt er stehen. „Es ist nicht ungefährlich, einem Wildschwein zu begegnen“, denkt er sich und schaut sich nach einem großen Baum um, an dem er sich vor dem angriffslustigen Tier verstecken könnte. Da! Wieder dieses seltsame Rascheln! Er schaut sich um… und entdeckt im Gebüsch versteckt ein halbes Dutzend Männer, die plötzlich mit Messern bewaffnet auf ihn losstürmen. „Her mit dem Gold!“, ruft einer. „Überfall“, brüllt ein anderer. „Oh Herr, hilf mir aus dieser Not“, stammelt der junge Mann und fühlt, wie er von hinten gegriffen und festgehalten wird. „Das kann doch nicht alles sein“, schreit ihn der Anführer der Gruppe an. „Ihr Pfaffen lasst euch doch gut bezahlen in euren Gottesdiensten!?“ „Ich bin nur ein armer Gottesmann, ich habe wirklich nicht mehr“, stammelt der arme Kaplan in Todesfurcht, als ihm einer der Räuber an den Gürtel fasst und das Geldsäckchen in die Finger bekommt. „Und was ist das? Du willst uns wohl zum Narren halten?“, schreit der Räuber und reißt ihm den Geldbeutel vom Gürtel. „Das sollst du uns büßen!“, brüllt ein anderer Räuber und sticht ihm seinen Dolch in den Bauch. „Bist du von Sinnen?“, fährt der Häuptling den Räuber mit dem Dolch an. „Mit dir bekommt man immer nur Ärger! Kannst du nicht mal deine Finger stillhalten? Lasst uns abhauen, bevor uns noch einer hier mit dem da erwischt!“ Und so schnell, wie sie aus dem Versteck aufgetaucht waren, so schnell waren sie auch wieder im dunklen Wald verschwunden. Den armen Verwundeten ließen sie einfach liegen.
Wie lange er da im Wald gelegen war, wusste der junge Geistliche nicht, als er wieder zu sich kam. „Oh Herr, steh mir bei. Lass mich nicht hier sterben. Gib mir Kraft, nach Hause zu kommen!“, so betet er zu seinem Gott. Und tatsächlich fühlte er sich gestärkt und machte sich auf den Weg nach Hardheim. Die blutende Wunde an seinem Bauch bedeckte er mit seinem Birett (das kleine Käppchen, das man heute noch bei Bischöfen, Kardinälen oder beim Papst auf dem Kopf sehen kann). Mühsam schleppte er sich an der Wohlfahrtsmühle vorbei. Immer wieder rief er um Hilfe, aber niemand hörte ihn. Als er dann auf der Höhe des Bücholdwieser Sees (den es damals noch nicht gab) war, verließen ihn seine Kräfte und er brach zusammen. „Guter Gott, bitte lass mich nicht hier, so kurz vor der Heimat alleine sterben. Gib mir noch einmal Kraft, hilf mir nach Hause zu kommen!“, betet er erneut. Durch dieses Gebet gestärkt stolperte er über die Steine auf dem schmalen Weg, fiel auch manches Mal hin, raffte sich aber wieder auf und erreicht schließlich mit letzter Kraft Hardheim. An der heutigen Kreuzung der Miltenberger Straße mit der Wertheimer Straße brach er ein letztes Mal zusammen. Die Leute strömten zusammen und fragten entsetzt durcheinander: „Was ist Ihnen, Herr Kaplan, denn passiert?“ „Wer hat Ihnen das angetan?“ „Was ist denn genau passiert?“ Aber der junge Geistliche konnte nur noch leise, kaum hörbar stammeln: „Räuber --- bei Dornberg im Wald --- Geld und Kelch weg“. Dann starb er. Ein Teil der Hardheimer Bürger brachte den Toten ins Pfarrhaus, die anderen machten sich auf den Weg nach Dornberg, um die Räuber zu suchen und zu verhaften. Anhand der Blutspuren konnten sie gut den Weg zurückverfolgen, den der Kaplan genommen hatte und sie konnten auch sehen, wo er zusammengebrochen, und schließlich, wo er überfallen worden war. Die Räuber konnten sie allerdings nicht finden. Damit dieses ungesühnte Verbrechen an dem jungen Geistlichen aber nie vergessen werde, ließen einige Jahre später Hardheimer Bürger 1714 und 1734 zwei Bildstöcke an den Stellen errichten, an denen der Kaplan zusammengebrochen war, und 1732 das sogenannte „Kaplanskreuz“ aufstellen, wo der Überfall stattfand.
Nicht alles an der Geschichte ist so passiert. Könnt ihr erraten, was nicht?
- Es ist nicht klar, was die Räuber alles mitgenommen haben.
- Die Worte, die gefallen sind, weiß man nicht.
- Ob der Kaplan wirklich an den Stellen der Denkmäler zusammengebrochen ist, weiß man auch nicht sicher.